Krimi in neun Akten

Herren des TC Bruckmühl-Feldkirchen schlagen Pforzheim mit 5:4

Man war schon ein wenig verunsichert in Bruckmühl im Vorfeld der Partie gegen Pforzheim. Die Schwarzwälder waren erst am Freitag mit einem großen Ausrufezeichen in die Liga gestartet und hatten so wie der TCBF am Sonntag zuvor den TV Reutlingen mit 7:2 bezwungen. Sollte ein vermeintlicher Punktelieferant zum Stolperstein werden?

Bereits nach einer halben Stunde nach der offiziellen Spielerpräsentation war zumindest jedem klar, dass es sehr viel enger werden würde als noch in der Woche zuvor gegen Mitfavorit Reutlingen. Der an 6 eingesetzte Rainer Eitzinger gilt an den hinteren Positionen eigentlich als Punktegarant, lag aber 0:4 gegen Pascal Meis zurück.

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Rainer Eitzinger: Begeisterte die Fans wie immer durch unbändigen Kampfgeist

Da hatte der neue Spaßvogel im Team Julien Obry bereits den ersten Satz gegen den starken Italiener Stefano Travaglia 2:6 verloren und auch Nico Reissig tat sich gegen den ehemaligen deutschen Top-Spieler Denis Gremmelmayr schwer und lag 4:5 hinten. Es lag eine dicke Überraschung in der Luft. Aber Reissig biss sich richtig rein in sein Match und gewann den ersten Satz im Tiebreak mit 11:9. Eitzinger gab zwar den ersten Satz mit 1:6 ab, aber als er Mitte des zweiten Satzes zu Teamchef Bernhard Gleissner auf seiner Bank sagte, dass er jetzt wisse, wie die richtige Taktik wäre, kehrte die Zuversicht in die Gesichter der Bruckmühler Mannschaft zurück. „Das verliert der noch“, sagte Eitzinger und holte sich den zweiten Satz mit 7:6 und war auch im Match-Tiebreak beim 10:7 nicht mehr aufzuhalten. Nachdem sich auch Reissig im zweiten Satz in einen Rausch gespielt hatte und am Ende mit 7:6 6:2 gewann, war die glatte Niederlage Obrys – da mehr oder minder erwartet – zu verschmerzen.

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Blazej Koniusz: Biss sich im Einzel in drei Tiebreaks durch

Es ging in die zweite Runde. Und wieder waren die Hoffnungen der einheimischen Fans mehr auf die hinteren Positionen gerichtet. Zwar zeigt die aktuelle Weltrangliste Nikoloz Basilashvili mit einem Ranking von 120 deutlich vor Riccardo Bellotti (ATP 247), aber der Italiener gilt in Deutschland bereits als erfahrener Clubspieler und ausgewiesener Sandplatzspezialist. Das sollte sich auch durchsetzen. Der Georgier Basilashvili, diese Woche noch im Daviscup für sein Land erfolgreich, versuchte aus allen Positionen seine kräftigen Grundschläge anzusetzen. Aber leider flogen diese meist zu weit und der Italiener gewann mit geduldigem Spiel schneller als erwartet mit 6:3 6:1. Aber was wäre das Team des TC Bruckmühl-Feldkirchen ohne seine „Polen-Connection“. Zwei Polen – sechs Tiebreaks – zwei Siege war bereits am Sonntagnachmittag auf der Facebookseite des TCBF zu lesen. Was so lapidar klingt, war in Wahrheit ein Krimi, der die erneut zahlreichen Zuschauer vor Ort mehr als begeisterte. Blazej Koniusz führte bereits 7:6 und 3:0 und hatte zahlreiche Breakbälle zum 4:0, hatte Matchball bei 5:4 und gab am Ende doch den Satz im Tiebreak mit 2:7 letztendlich chancenlos gegen einen stark aufspielenden Marko Lenz ab. Doch die Pause nach dem zweiten Satz bekam Koniusz gut, wie ausgewechselt startete er in den Match-Tiebreak und gab schnell heraus gespielte Führung nicht mehr ab und gewann mit 10:5. Auf dem Nebenplatz hatte Koniusz’ Freund Mateusz Kowalcyk den ersten Satz mit 6:7 abgegeben und konnte im zweiten ebenfalls lange Zeit seine zahlreichen Chancen nicht nutzen. Aber Kowalczyk blieb das gesamte Match über seiner Taktik mit konsequentem Serve-and-Volley-Spiel treu, überwand zahlreiche schwierige Situationen und holte sich den zweiten Satz mit 7:6 und schließlich den Match-Tiebreak mit 10:7.

Man konnte somit nach der Tombola – wie immer lang und ausdauernd durchgeführt von Vereinsmacher und Sportwart Horst Nadjafi – beruhigt in die Doppel gehen. Schließlich hatte man doch mit Koniusz/Kowalczyk ein absolutes Top-Duo aufzubieten, das nach dem 4:2 in den Einzeln den Sieg nach Hause fahren sollte. Aber das Wechselbad der Gefühle ging für das Team, die Fans und für Teammanager Ralf Roffmann auch in den Doppeln weiter. Die Pforzheimer hatten richtig spekuliert und gegen das polnische Duo des TCBF ihren Doppelspezialisten Rameez Junaid zusammen mit Marko Lenz aufgeboten. Und die australisch-deutsche Kombination entzauberte die beiden Sieger aus den wohl entscheidenden Einzel-Matches und gewann deutlicher als erwartet mit 6:3 und 6:2. Somit musste eines der anderen beiden Doppel gewonnen werden. Basilashvili/Obry hatten im Einser-Doppel gegen die Italiener Bellotti/Travaglia im ersten Satz mit 6:2 die Oberhand behalten, und Eitzinger/Reissig gaben Gremmelmayr/Flock mit 6:3 das Nachsehen. Aber auf dem Center Court tat sich das Spitzendoppel des TCBF im zweiten Satz zusehends schwerer, ihre Aufschlagspiele zu gewinnen, so dass am Ende das 5:7 in Satz Nr. 2 die logische Konsequenz war. Als dann auf dem Nebenplatz jedoch die Jubelschreie der Fans über das 6:4 von Eitzinger/Reissig und dem somit entscheidenden fünften Punkt zu hören waren, war die Erleichterung groß. Obry verbuchte zwar mit einem spektakulären Halbvolley-Stopp als Antwort auf einen Schmetterball noch den „Ball des Tages“ für sich, aber der Match-Tiebreak ging mit 6:10 verloren.

Damit konnte man leben. 5:4 gewonnen, weiter mit dabei im Rennen um die Meisterschaft in der Liga, so das Resümee der Verantwortlichen. Nächstes Wochenende stehen nun zwei Auswärtsspiele in Uttenreuth und bei Iphitos München an. Vor allem das Auswärtsspiel am Freitag beim ungeschlagenen Tabellenführer in Franken wird dann zeigen, wohin die Reise in dieser Saison für die Mangfalltaler noch gehen wird.

 

wp

Bilder: Tom Fischer